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Übersetzung für Synchron

Ganz am Anfang einer Filmsynchronisation steht die Übersetzung der fremdsprachlichen Dialoge. Nur auf Basis einer präzisen und genau recherchierten Übersetzung kann in einem nächsten Schritt das lippensynchrone Dialogbuch für die Aufnahmen mit den Synchronsprecher*innen erstellt werden. Leider halten sich in der Branche immer noch völlig unzutreffende Begriffe wie „Rohübersetzung“ oder „Erstübersetzung“. Eine gute Übersetzung für Synchron ist aber keinesfalls „roh“, sondern ein akkurat bearbeiteter und vollwertiger Dialogtext!

Es sollte immer anhand des Filmbildes und Originaltons übersetzt werden, zwar mit einer Transkription der Dialoge in Originalsprache als Hilfsmittel – aber niemals ohne Video. Auch wenn die direkte Lippensynchronität hier noch keine direkte Rolle spielt, ist es wichtig, Mündlichkeit zu wahren und für die Figuren passende Sprechweisen und Varianten der Umgangssprache zu finden. Auch auf Textlänge, Sprechrhythmus und Schauspiel zu achten, ist sinnvoll.

Außerdem haben Übersetzer*innen die Aufgabe, detailgenau verschiedene Bedeutungsebenen des Originals aufzufächern. Eine gute Übersetzung für Synchron bietet Alternativlösungen, sprachliche Erläuterungen sowie Hinweise auf inhaltliche Zusammenhänge bzw. Rechercheergebnisse. So bekommen die Autor*innen, die das lippensynchrone Dialogbuch texten, genügend Material, aus dem sie schöpfen können. Die besondere Herausforderung ist die Gratwanderung einer dem Stil des Originals ebenbürtigen und zugleich eigenständigen, im Deutschen ganz natürlich klingenden Fassung.

Die Zweiteilung zuerst Übersetzung und anschließend lippensynchrones Dialogbuch kommt daher, dass häufig die Regisseur*innen der Sprachaufnahmen die Dialogbücher schreiben. Da sie in der Regel keinen übersetzerischen oder fremdsprachlichen Hintergrund haben bzw. oft die Originalsprache gar nicht verstehen, sind sie auf eine Übersetzung angewiesen. Doch mittlerweile gibt es auch mehr Synchronautor*innen, die nicht Regie führen, dafür aber über ausreichend Fremdsprachenkenntnisse verfügen und keine extra Übersetzung benötigen (zumindest, wenn es um englischsprachige Filme geht – bei anderen Sprachen kommt dies immer noch selten vor). Sie vollziehen die Arbeit in einem Schritt und erstellen sozusagen gleich eine lippensynchrone Übersetzung, die das Dialogbuch für die Aufnahmen darstellt. So sind auch manche Übersetzer*innen zu Dialogbuchautor*innen geworden.

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